Schöne Menschen

Immer wieder einmal laufe ich in die Falle.

Jawohl. Ich laufe in die Falle. In meine eigene.

Ich muss gestehen: Ich stehe auf schöne MenschInnen. Und immer wieder lasse ich mich von deren Schönheit auch blenden. Aber- und abermals falle ich von Neuem darauf herein, dass es diesen besser geht, dass sie mehr Geld haben, mehr Besitz, mehr Ansehen, Ruhm und Ehre. Einfach, dass schöne Menschen es im Leben eben leichter haben – auch wenn mein Gehirn von schönen Menschen weiss, dass dies aber auch gar nicht immer der Realität entspricht.

Aber, und das habe ich noch immer nicht kapiert, ich lasse mich offenbar gerne immer wieder täuschen. Neulich nämlich, ich sass wieder einmal in der S-Bahn, da sass ein solches schönes Exemplar im Abteil vis-à-vis. Ich bestaunte ihn (jawohl, diesmal handelte es sich wieder einmal um einen Geschlechtsgenossen) und wollte bereits mit meiner alt bekannten (Gebets-)Mühle beginnen, das klingelte sein Handy.

Bhoa!!! Was für ein grauenhafter Klingelton. So was von langweilig und borniert. Ein Klingelton, bei dem sich Beethoven noch heute im Grab umdrehen würde.

Schlagartig wird mir in solchen Situationen dann jeweils meine eigene Lage bewusst und wo ich mich von meiner Täuschung bereits wieder hinziehen liess…

Wer solch einen Klingelton sein eigen nennt, bzw. den seines Mobiltelefones, … Nun ja. „Guet Nacht am Sächsi.“ Hätte er auch noch seinen Mund aufgemacht, wahrscheinlich hätte ich diese S-Bahn fluchtartig an der nächsten Station verlassen und extra eine halbe Stunde vorbei streichen lassen, nur um nicht mit diesem schönen, aber leider uneträglichen Handy-Träger im selben Zug sitzen zu müssen.

Was lehrt mich das? Schöne Menschen sind auch nur Menschen. Und: Manchmal bin ich extrem in meinen Beurteilungen. Aber auch: Mann muss zu sich schauen.

Auf alle Fälle erden mich solche Vorkommnisse jeweils rasch, sei es nun das oberdoofe Geklingel eines ultra-modernen Natels oder auch die Stimme dieses/r Mobiltelefonträgers/in. Und das hat ja auch wieder was Gutes an sich.

Darum allen oberdoofen Klingelton-BesitzerInnen mit grauenhafter Stimme: Danke, dass es Euch gibt!

Eine Antwort zu “Schöne Menschen”

  1. Esperanza Sagt:

    Wieso lassen wir uns immer wieder von der äusseren Schönheit in Bann ziehen? Warum ist es nicht die innere Schönheit, die uns fesselt? Vielleicht weil innere Schönheit nicht so offensichtlich ist wie äussere Schönheit?
    Kann man lernen, beim Kontakt mit anderen Menschen mehr auf ihre innere Schönheit zu achten und sich nicht so sehr auf ihre äussere Schönheit zu konzentrieren?
    Ich denke, dass das möglich ist, weil ich es an mir selbst erlebt habe. Ich habe mir angewöhnt, mich nicht mehr von äusserer Schönheit beeindrucken zu lassen. Ich konzentriere mich heute viel mehr als früher auf die Ausstrahlung, die ein Mensch besitzt. Wenn ich jemanden begegne, schaue ich im ins Gesicht. Oft weiss ich nach einem Gespräch mit ihm gar nicht, was er eigentlich für Kleidung anhatte, weil ich mich gar nicht auf seinen Körper achtete, sondern nur auf sein Gesicht, denn ich finde, dass ein Gesicht und da ganz besonders die Augen sehr viel von der Ausstrahlung verraten. Mich interessiert nicht mehr , wie ein Mensch aussieht, sondern mich interessiert, wie ein Mensch denkt, handelt und fühlt, was er für Ansichten vertritt und welche Einstellungen er besitzt.
    Ich lege heute nicht mehr viel Wert auf die äussere Schönheit. Was nicht heissen will, dass ich es nicht bevorzuge, wenn jemand gepflegt ist, aber ich finde es unbedeutend, welche Haarfarbe, Augenfarbe, Körpergrösse, Körpergewicht, Kleiderstil usw. derjenige oder diejenige besitzt. Möglicherweise passe ich mit dieser Einstellung nicht in unsere Gesellschaft hinein. Aber ich glaube, ich habe einige Ansichten, die nicht mit unserer heutigen Gesellschaft zusammenpassen. Meine Ansichten sind nicht besser oder schlechter als andere Ansichten, aber sie können vielleicht manchmal seltsam anmuten, weil sie anders sein mögen als die üblichen. Aber das spielt mir keine Rolle. Ich bin eben ich. Ich mag mich so, wie ich bin und ich stehe zu mir, was auch immer andere über mich und meine Ansichten denken mögen…

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