Ausgehend von den Erschütterungen im Finanzsektor der letzten Wochen und Monate habe ich mir so einige Gedanken über unseren Umfang mit Geld gemacht.
„Geld“ ist immer Thema. Immer und überall. Entweder meint man/frau, davon zu wenig zu haben oder man/frau ist mit eben diesem Wenigen zufrieden. Oder dann hat man/frau sehr viel davon und fürchtet sich davor, dieses auf die eine oder andere Weise zu verlieren – oder aber, was selten genug vorkommt, man/frau ist auch damit zufrieden und glücklich.
Egal ob man/frau über seinen Kontostand glücklich oder unglücklich ist, egal ob man/frau davon wenig oder viel in seinem Besitz weiss, darüber sprechen tut man/frau in den wenigsten Fällen. Man/frau spricht über alles, auch über Sex. Nur über Geld da bleiben einem die Worte im Hals stecken, versagt einem die Mundmuskulatur.
Natürlich gibt es ein paar Wenige, die es wagen darüber zu sprechen. Die Frage ist nur, wie? Entweder prahlt man/frau mit seinem Besitz oder man/frau schämt sich darüber, eben nur wenig bis gar nichts sein Eigen nennen zu können. Oder aber, mann zahlt öffentlichwirksam einen Teil seines Bonus zurück – und prahlt damit erneut.
Manchmal kommt es mir so vor, dass wir, wenn es um das Thema „Geld“ geht, alle zu kleinen Jungen mutieren, die ihren kleinen Willi hervorkramen (müssen), nur um zu schauen, wer nun den Grössten von allen hat. Wir tun also nichts Anderes, als uns andauernd zu vergleichen.
„Wie konnte mein Nachbar nun schon wieder ein neues Auto beschaffen? Der ist doch viel tiefer gestellt als ich?„
„Wie schafft es nur meine Kollegin, sich erneut einen superreichen Freund geangelt zu haben? Wie macht die das?„
Fragen über Fragen. Und: Vergleiche über Vergleiche. Warum können wir eigentlich nicht mit dem zufrieden sein, was wir im Augenblick gerade sind und haben?
Item: Wenn wir über Geld sprechen, sagen 98% aller Menschen der westlichen Hemisphäre sicherlich nicht die Wahrheit. Und diejenigen 2%, die die Wahrheit über Geld sagen, die werden a) entweder nicht angehörte oder b) darüber ausgelacht, weil sie eben ehrlich über ihren Umgang mit Geld sprechen [Wer Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" kennt, weiss um diesen Mechanismus.]
Ist es unsere Angst, dass wir uns ständig vergleichen müssen? Bzw. meinen, es tun zu müssen, ansonsten wir drohen, zu einem/r Niemand zu werden?
Ist es unsere Eifersucht, die uns immer nach links und rechts schielen lässt; die uns immer wieder von Neuem ins Ohr flüstert, dass wir dieses oder jenes auch noch unser Eigenes nennen müssten?
Oder ist es ganz einfach menschlich, einem/r Anderen nicht zu trauen, wenn es um „Geld“ geht?
Fragen über Fragen. Antworten sind erneut Mangelware und darum extrem teuer.
Ich frage mich einfach: „Ginge es nicht auch anders?“ „Was hindert uns eigentlich daran, bei der nächsten Frage nach unserem Lohn nicht einfach einmal die exakte Wahrheit herauszuposaunen und die Reaktion unseres Gegenübers abzuwarten?„
Ich wünsche mir eine Welt, in der wir angstfrei mit dem Thema „Geld“ – und damit einhergehend – dem Thema „Vertrauen“ umgehen können. Wollen wir es versuchen?