Archiv für Kommunikation

Über Geld spricht man (nicht). Ein neues Paradigma am Horizont?

Veröffentlicht in Gesellschaft, Humor mit Tags , , am 8. Dezember 2008 von Matthias A. Weiss

Ausgehend von den Erschütterungen im Finanzsektor der letzten Wochen und Monate habe ich mir so einige Gedanken über unseren Umfang mit Geld gemacht.

„Geld“ ist immer Thema. Immer und überall. Entweder meint man/frau, davon zu wenig zu haben oder man/frau ist mit eben diesem Wenigen zufrieden. Oder dann hat man/frau sehr viel davon und fürchtet sich davor, dieses auf die eine oder andere Weise zu verlieren – oder aber, was selten genug vorkommt, man/frau ist auch damit zufrieden und glücklich.

Egal ob man/frau über seinen Kontostand glücklich oder unglücklich ist, egal ob man/frau davon wenig oder viel in seinem Besitz weiss, darüber sprechen tut man/frau in den wenigsten Fällen. Man/frau spricht über alles, auch über Sex. Nur über Geld da bleiben einem die Worte im Hals stecken, versagt einem die Mundmuskulatur.

Natürlich gibt es ein paar Wenige, die es wagen darüber zu sprechen. Die Frage ist nur, wie? Entweder prahlt man/frau mit seinem Besitz oder man/frau schämt sich darüber, eben nur wenig bis gar nichts sein Eigen nennen zu können. Oder aber, mann zahlt öffentlichwirksam einen Teil seines Bonus zurück – und prahlt damit erneut.

Manchmal kommt es mir so vor, dass wir, wenn es um das Thema „Geld“ geht, alle zu kleinen Jungen mutieren, die ihren kleinen Willi hervorkramen (müssen), nur um zu schauen, wer nun den Grössten von allen hat. Wir tun also nichts Anderes, als uns andauernd zu vergleichen.

Wie konnte mein Nachbar nun schon wieder ein neues Auto beschaffen? Der ist doch viel tiefer gestellt als ich?
Wie schafft es nur meine Kollegin, sich erneut einen superreichen Freund geangelt zu haben? Wie macht die das?
Fragen über Fragen. Und: Vergleiche über Vergleiche. Warum können wir eigentlich nicht mit dem zufrieden sein, was wir im Augenblick gerade sind und haben?

Item: Wenn wir über Geld sprechen, sagen 98% aller Menschen der westlichen Hemisphäre sicherlich nicht die Wahrheit. Und diejenigen 2%, die die Wahrheit über Geld sagen, die werden a) entweder nicht angehörte oder b) darüber ausgelacht, weil sie eben ehrlich über ihren Umgang mit Geld sprechen [Wer Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" kennt, weiss um diesen Mechanismus.]

Ist es unsere Angst, dass wir uns ständig vergleichen müssen? Bzw. meinen, es tun zu müssen, ansonsten wir drohen, zu einem/r Niemand zu werden?
Ist es unsere Eifersucht, die uns immer nach links und rechts schielen lässt; die uns immer wieder von Neuem ins Ohr flüstert, dass wir dieses oder jenes auch noch unser Eigenes nennen müssten?
Oder ist es ganz einfach menschlich, einem/r Anderen nicht zu trauen, wenn es um „Geld“ geht?

Fragen über Fragen. Antworten sind erneut Mangelware und darum extrem teuer.
Ich frage mich einfach: „Ginge es nicht auch anders?“ „Was hindert uns eigentlich daran, bei der nächsten Frage nach unserem Lohn nicht einfach einmal die exakte Wahrheit herauszuposaunen und die Reaktion unseres Gegenübers abzuwarten?

Ich wünsche mir eine Welt, in der wir angstfrei mit dem Thema „Geld“ – und damit einhergehend – dem Thema „Vertrauen“ umgehen können. Wollen wir es versuchen?

Gefühle und SMS. Eine neue Form der Kommunikation.

Veröffentlicht in Gesellschaft mit Tags , , , , , am 2. Dezember 2008 von Matthias A. Weiss

Immer wieder einmal vernehme ich von so genannten SprachpuristInnen – zu denen ich mich hin und wieder auch zähle – wie es die Jugend nicht mehr verstünde, zu kommunizieren. Alles liefe nur noch via SMS, Chat-Nachrichten und Emoticons (diese Abkürzungen aus Punkt, Komma, Strich etc, wie z.B. dem häufigsten Emoticon, dem des Smileys: :-) ) ab. Keine klaren und eindeutigen Sätze mehr, nur noch Abkürzungen, alles auf 160 Zeichen beschränkt.

Meine Kolleginnen und Kollegen SprachverfechterInnen mögen Recht haben. Auch mich stört es zuweilen, wenn sich sogar in renommierten Tageszeitungen Sprachfehler, Stil-Unblüten, Fehler in der Satzstellung etc. häufen. Dann möchte ich manchmal dem oder der zuständigen JournalistIn ein saftiges Mail zukommen lassen – was ich natürlich in aller Regel unterlasse.

Was die Kommunikationsform der Jugendlichen und Jungen aber angeht, so hat diese auch ganz klar ihre Vorteile:
Die Kommunikation via Emoticons macht einen Text oder eine Nachricht ganz einfach deutlicher. Sie transportiert neben dem eigentlichen Text auch noch das dazu gehörende Gefühl mit. In meinen Augen und Ohren ein deutliches Plus im Vergleich zur herkömmlichen, grammatikalisch richtigeren und vielleicht auch reineren Sprachform, so, wie wir sie noch gelernt haben.

Dass dieses Plus wirklich einen Mehrwert bedeutet, durfte ich vor allem während meiner Zeit als Hörbehindertenseelsorger fest stellen und kennen lernen. Gehörlose verfügen zwar nach unserem Geschmack über einen ziemlich beschränkten Wortschatz, dafür kommen in ihrer Art des Kommunizierens die Gefühle praktisch immer mit herein und meist auch ziemlich ungefiltert rüber, so dass jede und jeder versteht, worum es geht, auch wenn der eigentliche Inhalt vielleicht nicht 1 zu 1 und auch nicht vollständig vom Sender zum Emfpänger gelangt ist. Die Emotion ist auf alle Fälle angekommen. Das ist die Hauptsache. Daraus lassen sich dann allenfalls mögliche Unklarheiten heraus kristallisieren und ein für allemal klären.

Ich plädiere also dazu, den Gefühlen auch in unserer ganz alltäglichen und verbalen Kommunikation mehr Lauf zu lassen und so unserem Gesagten und Gemeinten noch etwas mehr Leben einzuhauchen. Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert.