
Von der Raupe zum Schmetterling
Irgendwo habe ich einmal vernommen, dass man/frau etwas mindestens 21 Mal wiederholt haben muss, bis es wirklich gelernt ist und sitzt (ich stelle das einerseits bei Kindern fest, immer wieder aber auch bei mir selbst; natürlich bei anderen Inhalten).
Neulich habe ich diesbezüglich ein schönes Gedicht lesen dürfen:
1.
Ich gehe die Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren…Ich bin ohne Hoffnung
Es ist nicht meine Schuld
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.2.
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld
Immer noch dauert es so lange, herauszukommen.3.
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein…aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiss, wo ich bin
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.4.
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.5.
Ich gehe eine andere Strasse.
(Sogyal Rinpoche, Autobiographie in fünf Kapiteln)
Da nehme ich mir doch den Schmetterling als Vorbild. Lange Zeit als Raupe unterwegs, ächzend und stöhnen an die Erde gebunden. Probierend und versuchend – bis daraus ein wunderschönes, leichtes, buntes und prächtiges Lebewesen wird, das nicht mehr so stark an die Erde gebunden ist, stattdessen frei ist, sich da hin zu begeben, wo es möchte…
