Gott und das Navi

Gemäss Wikipedia ist ein Navi, beziehungsweise vollständig ausgeschrieben, ein Navigationssystem, ein «technisches System, das mit Hilfe von Positionsbestimmung (Satellit, Funk, GSM bzw. inertes oder autonomes System) und Geoinformationen (Topologie-, Strassen-, Luft- oder Seekarten) eine Zielführung zu einem gewählten Ort oder eine Route unter Beachtung gewünschter Kriterien ermöglicht.»

Manchmal stelle ich mir Gott wie ein solches Navigationssystem vor. Zwar bin ich selbst ja vehementer Benutzer des Öffentlichen Verkehrs, dennoch ist mir die Funktionsweise eines Navis mehr oder weniger vertraut. So weiss ich beispielsweise, dass dort der Zielort eingegeben werden kann, dass man die erwünschte Route – schnell, bloss auf Landstrassen, romantisch etc. – einstellen kann sowie, dass sich dieses, meinen Weg unterstützende Gerät meldet, wann ich wo was zu tun habe; sprich also, links abzubiegen, 300 Meter geradeaus zu fahren oder den Motor abzustellen, da ich meinen Bestimmungsort erreicht habe.

Auch ist mir bekannt, dass, wenn ich – aus einer puren Laune heraus oder auch ungewollt – einmal eine andere Richtung einschlage, mich mein Navigationssystem mehr oder weniger gentlemanlike darauf hinweist, dass ich mich auf dem Holzweg befände. «Bitte wenden» lautet dann die jeweilige Ansage und «folgen Sie der geplanten Route».

Für den Fall, dass ich mich dagegen standhaft weigere, hat mein Navi nun genau zwei Möglichkeiten, um auf mein «Fehl»-Verhalten zu reagieren:
Entweder mahnt es mich, meinen Kurs zu ändern oder gibt früher oder später nach und berechnet aufgrund meiner Stur- oder Blödheit einen neuen Weg. (Nur in Klammern bemerkt: Ich finde es (gravierend) spannend, wie wir ein solches Gerät geradezu vermenschlichen und mit einem Personalpronomen versehen, obgleich es sich dabei ja bloss um eine Maschine handelt, welche via Satellit mit einer Datenbank verbunden ist.)

Kürzlich machte ich jedenfalls die Entdeckung, dass GOTT gut und gerne mit einem solchen Navigationsgerät verglichen werden kann. Je mehr ich darüber nachdenke, desto passender finde ich diesen Vergleich. Wie oft nämlich fahre ich doch in meinem Leben einfach drauflos und weiss zunächst gar nicht, wohin meine Reise führen soll. Oder dann ist mir zwar mein Ziel bekannt, die Routenwahl dorthin allerdings nach wie vor unklar. Und auch der Fall, dass zwar sowohl Bestimmungsort als auch eingeschlagener Weg mit dem Navi deckungsgleich sind, meine aktuelle Stimmung allerdings etwas Anderes vorhat und auch danach handelt, kann eintreten.

Gerade bei letzterem Vorkommnis finde ich den GOTT-Navi-Vergleich allerdings so passend: Möglicherweise mache ich mein GOTT-Navi durch mein unbelehrbares Verhalten zwar wahlweise wütend oder kirre, doch schon beinahe maschinengleich lenkt mich GOTT wieder in die richtigen Bahnen. Eigentlich wunderbar, ein solcher – ja, wie soll ich sagen – «Mechanismus», wobei GOTT natürlich viel mehr als ein rein maschinengesteuertes «Ding» ist. Mangels eines besseren Wortes bleich ich jedoch dabei: GOTT ist das beste Navi, das es gibt. ER/SIE/ES führt mich immer und überall ans richtige Ziel, auch wenn ich dabei den einen oder anderen «Um-»Weg nehme!

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Gott, das Böse und die Liebe

Richard Rohr - Zwölf Schritte der Heilung

Richard Rohr – Zwölf Schritte der Heilung

In seinem Buch Zwölf Schritte der Heilung. Gesundheit und Spiritualität sinniert der Franziskanerpater Richard Rohr in einem kurzen und eindrücklichen Abschnitt über Gott, das Böse und die Liebe. Besser zusammenfassen könnte man diese drei grossen Themen auf so kleinem Raum meines Erachtens nicht:

Gott widersteht […] unserem Bösen und überwindet es mit Gutem, sonst könnte er ja nicht dasselbe von uns verlangen. Denken Sie mal darüber nach: Gott schockiert und verblüfft uns zur Liebe. Gott liebt uns nicht, wenn wir uns ändern, sondern er liebt uns so sehr, dass wir uns ändern. Nur die Liebe bringt echte innere Verwandlung hervor: keine Härte, kein Schuldgefühl, kein Ausweichen und kein gesellschaftlicher Druck. Liebe ist nur dann echt, wenn sie vollkommen frei ist. Gnade ist nur dann echt, wenn sie vollkommen frei ist.