Eine neue Sichtweise auf die Arbeit 4.0

Im neusten Artikel des Blogs Beruf + Berufung kommt Bastiaan van Rooden, Chef der Produktedesign-Firma nothing.ch zu Wort. Neben seiner Aussage, dass wir uns doch wieder vermehrt dem Spiel – und damit auch dem Fehlermachen – hingeben sollten/dürften, weil wir dadurch am schnellsten und effektivsten lernten, beeindruckte mich eine weitere Antwort; und zwar diejenige zur Frage, wie denn die Arbeit der Zukunft, neudeutsch mit „Arbeit 4.0“ bezeichnet, ausschauen könnte. Dazu van Rooden:

Es ist absurd, dass mein Arbeitskollege und ich die Wirtschaft nur dann fördern, wenn wir je das Kind des anderen betreuen würden statt unser eigenes. Ich befürworte angesichts der Umwälzungen infolge der Digitalisierung auch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Es würde uns erlauben, wesentlich produktiver, ausgeglichener – ja menschlicher zu leben.

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Bittere Analyse

Bittere Worte in diesem – sowieso lesenswerten – Interview des Philosophen Frithjof Bergmann (siehe auch diesen Post) zum Thema der Arbeit:

Wir taten die falschen Dinge und empfanden es als Fortschritt, diese Arbeit langsam zu verrichten.

Heute dürfte sich diesbezüglich nach wie vor wenig daran geändert haben … Als möglichen Grund dazu, warum sich die grosse Mehrheit der Menschheit dazu verführen lässt, eine Arbeit zu verrichten, die sie müde macht und klein hält, um dann Dinge zu kaufen, welche sie nicht braucht, nennt Bergmann:

Vermutlich ist es eine Mischung aus Armut an Begierde und Mangel an Phantasie.

Wie man Arbeit auch noch (neu) denken und handhaben könnte

Ich weiss, dass Arbeit in unserer heutigen, westlichen Gesellschaft oft als etwas Lästiges betrachtet wird (siehe oben oder hier) und die freie Zeit dann als das (verdiente) Sahnehäubchen obenauf gilt, welches einen für die erlittene oder erduldete Mühsal etwas trösten soll. Der Philosoph Frithjof Bergmann vergleicht diese Art von Arbeitauffassung und -Handhabung mit einer milden Krankheit, wie z.B. derjenige einer Grippe. Jene ist zwar nicht gravierend, doch erfreulich ist sie auch nicht. Und alle, die sie haben/verrichten/sonstwie damit zu tun haben, warten bloss das nächste Wochenende ab, weil jenes dann ja „die richtige“ Zeit ist.

Dem allem stellte und stellt Bergmann sein – schon ziemlich – altes Rezept der Neuen Arbeit, und damit auch gleich einer Neuen Kultur, entgegen, siehe hier oder in unten stehendem Video. Elemente jener neuen Art des Arbeitens sind meines Erachtens folgende Merksätze:

Das tun, was wir wirklich, wirklich wollen.

Oder:

Die Arbeit, die wir leisten, sollte nicht all unsere Kräfte aufzehren und uns erschöpfen. Sie sollte uns stattdessen mehr Kraft und Energie verleihen, sie sollte uns bei unserer Entwicklung unterstützen, lebendigere, vollständigere, stärkere Menschen zu werden.

Und auch:

Das Ziel der Neuen Arbeit besteht nicht darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien, sondern die Arbeit so zu transformieren, damit sie freie, selbstbestimmte, menschliche Wesen hervorbringt.

Bergmann offeriert so einen BIG Change. Sollte er und die Bewegung der Neuen Arbeit einen Misserfolg einfahren, so meint er, würde nichts Anderes passieren, als dass es weitergehen würde wie bisher (und stellte insofern keinen Misserfolg dar).$

Auf alle Fälle Gedanken, welche es weiterzuspinnen gilt.