Gott, das Böse und die Liebe

Richard Rohr - Zwölf Schritte der Heilung

Richard Rohr – Zwölf Schritte der Heilung

In seinem Buch Zwölf Schritte der Heilung. Gesundheit und Spiritualität sinniert der Franziskanerpater Richard Rohr in einem kurzen und eindrücklichen Abschnitt über Gott, das Böse und die Liebe. Besser zusammenfassen könnte man diese drei grossen Themen auf so kleinem Raum meines Erachtens nicht:

Gott widersteht […] unserem Bösen und überwindet es mit Gutem, sonst könnte er ja nicht dasselbe von uns verlangen. Denken Sie mal darüber nach: Gott schockiert und verblüfft uns zur Liebe. Gott liebt uns nicht, wenn wir uns ändern, sondern er liebt uns so sehr, dass wir uns ändern. Nur die Liebe bringt echte innere Verwandlung hervor: keine Härte, kein Schuldgefühl, kein Ausweichen und kein gesellschaftlicher Druck. Liebe ist nur dann echt, wenn sie vollkommen frei ist. Gnade ist nur dann echt, wenn sie vollkommen frei ist.

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Leben ohne Obdach – ein Versuch

In seinem Buch Ohne Obdach berichtet der Pfarrer und Autor Matthias Unterwegs von seinem zweimonatigem Versuch, das Leben mit Obdachlosen zu teilen. Er tat dies zur Hälfte in Deutschland und zur Anderen in Frankreich. Auf den 156 Seiten seines Werkes beschreibt der Schriftsteller einerseits seinen Alltag, was jener in ihm auslöst und hin und wieder kommt er diesbezüglich ziemlich ins Sinnieren – über das Leben auf der Strasse, aber auch ganz allgemein. Unter anderem schreibt er:

Was können uns Obdachlose voraus haben?

Den Versuch einer Antwort liefert Matthias Unterwegs danach gleich selbst:

In einer Gesellschaft, in der auf Stärke und Durchsetzungsfähigkeit gesetzt wird, zählt Bedürftigkeit, zählt Um-etwas-bitten-zu-müssen zu den Schwächen, die unsere vermeintliche Unabhängigkeit gefährden. […]
Unsere scheinbare freie Gesellschaft ist [ja] bei genauem Hinsehen sehr starken normierenden Kräften unterworfen. Massenmedien und Werbung prägen Meinungen, Verhaltensweisen, Moden und Kaufentscheidungen. […]
Stehen [deswegen] Obdachlose auch für eine innere Freiheit, sich nicht jeder Norm und jeder Weisung zu unterwerfen, in gewisser Weise tun und lassen zu können, was sie wollen? Sie verweigern sich [ja] einem System, das oft genug in der Tiefe nicht lebensfördernd ist, auch wenn sie von den Brocken leben, die von den gedeckten Tischen dieses Systems fallen. Obdachlose müssen ständig loslassen, kommen zwangsläufig mit sehr wenig aus. Was bedeutet das angesichts so mancher von Wohlstandsballast überfüllten Wohnung?

Starke Beobachtungen und wichtige Fragen.

Paradoxe Mobilität

Die neuste Ausgabe der Zeitschrift moneta widmet sich dem Thema der Mobilität und wundert sich darin auch, wie viel öffentlichen Raum wir dem Privatverkehr überlassen. Auf den Punkt gebracht gipfelt dieser Artikel schliesslich in einer Gegenüberstellung von Auto und (vermeintlicher) Freiheit:

Das Auto verspricht Mobilität, aber es immobilisiert seine Insassen mit Sicherheitsgurten. Es verspricht Freiheit, aber kein Raum ist so hoch reglementiert wie der Strassenverkehr. Es verspricht individuelle Fortbewegung, aber nirgends bewegt man sich so im Gleichtakt wie im Stau. Strassen sollen Menschen verbinden, aber kleine Kinder dürfen sie nicht allein überqueren.