Kritik an unserem Gesundheits-, bzw. Krankheitssystem


Sven Böttcher, Schriftsteller, Übersetzer und Drehbuchautor, welcher im Jahre 2005 eine MS-Diagnose erhalten hat, hat sein Buch «Rette sich wer kann. Unser Gesundheitssystem macht uns krank», welches im Januar 2019 erscheint, unter Anderem mit dem Wunsch geschrieben, einem auch die Angst vor KrankheitEn zu nehmen und über das Gesundheits-, bzw. Krankheitssystem aufzuklären (aus: Rubikon).

Themen, über die in diesem Video gesprochen werden:

    • Der Körper, welcher mein Freund und für mich da ist, arbeitet nicht gegen mich, auch wenn ich dies meine, oder mir dies andere weismachen wollen.
    • Krankheit meint oft, dass man etwas ändern soll. Die Frage ist bloss, was? Darüber scheiden sich die Geister. Was meint die Ärztin, was ich selber?
    • Die Frage also: Was macht mich eigentlich gesund? Das/ein Medikament, Zeit, ein Apparat, gute Gespräche, Ernährungsumstellung, Yoga, die Umwelt, Liebe etc.?
    • Die Interessen der Pharma-Industrie, bei welchen es weniger um unsere Gesundheit, sondern eher um Profit, bzw. den Erhalt des eigenen Unternehmens geht (was mir als Unternehmer ja einleuchtet).
    • Ergo, die Interessen des Gesundheits- bzw. Krankheitssystems, bzw. die damit zusammenhängenden Zwänge.
    • Krankheiten, welche man (erst) im Spital aufliest (Iatrogene Krankheiten liegen in Deutschland offenbar auf Platz 3 aller Krankheiten, hinter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs). Dass davon kaum berichtet wird, bzw. ein kleines bis gar kein Interesse daran besteht, darüber aufzuklären, erachte ich schon als kleineren Skandal …
    • Dass Ärztinnen und Ärzte fürs Patientengespräch zunehmend weniger Zeit haben und auch fast keine Entlöhnung (mehr) dafür bekommen und offenbar mehr und mehr nach «Lehrbuch» arbeiten müssen, um selber gut leben zu können. Sprich, dass, wer als DoktorIn gut arbeitet, bald keine Klienten mehr hat …
    • Damit zusammenhängende Fragen, welche man sich als KrankeR stellen kann: In welchem System befinde ich mich eigentlich gerade? Wer sind die beteiligten Akteure? Etc.
    • Die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheits- bzw. Krankheitswesens also.
    • Schliesslich bettet Böttcher unser Krankensystem auch noch in einen grösseren Zusammenhang ein, und zwar in unsere Idee(-ologie) des Wachstums. Böttcher spricht gar von «Wachstum als Dogma». Wer also einen Unfall baut oder erkrankt, «innerhalb des Gesundheitswesens krank wird oder dort arbeitet», trägt kräftig zum Brutto-Inland-Produkt (BIP) bei. Dass dies im Umkehrschluss allerdings niemand tut, der/dei gesund lebt und zu sich schaut! Pointierte Aussage von Böttcher hierzu: «Wer gesund ist, ist schlecht fürs Brutto-Inlands-Produkt …» Und: «Wenn du schon nicht krank bist, geh bitte zum Arzt und mach eine Vorsorge-Untersuchung, damit man etwas findet.»
    • Abgesehen davon nützen 99% der Fälle von Vorsorge-Untersuchungen offenbar nichts. «Zur Vorsorge» kann man nicht nur rein sprachlich nich gehen, sondern jene bloss «treffen». Aber auch wenn man stattdessen das Wort «Früherkennung» verwendet, hilft das gemäss Böttcher nicht viel weiter. «Das Einzige, was sich beispielsweise bei einer Krebs-Früherkennung ändert, ist nicht der Zeitraum, den Du lebst, sondern (bloss) der Zeitraum, in dem Du es weisst!»
    • Das führt zur alles entscheidenden Frage im Video: «Wer hat wirklich ein Interesse an der Heilung von Menschen?»

    Jens Böttcher schliesst mit einem schönen Schlusswort:

    Es ist ein völliger, natürlicher Vorgang, dass wir erkranken. Ein absolut glücklicher Zustand ist, wenn wir über lange Strecken nicht erkranken!

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Ehrliche Worte zu unserem Umgang mit Gesundheit und Krankheit

In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger äussert der Arzt, Autor und Seminarleiter Rüdiger Dahlke klare und direkte Worte zu unserem Umgang mit Gesundheit und Krankheit im Allgemeinen, sowie zu demjenigen der Schulmedizin im Speziellen. Unter Anderem kommt der Alternativmediziner dabei auch auf den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung zu sprechen. Jenen verortert er darin, dass wir wieder

die Verantwortung für unsere Probleme übernehmen [müssen], denn die kann uns niemand abnehmen, auch der beste Arzt nicht. Es ist ein Jammer, dass wir im Deutschen Schuld und Verantwortung synonym verwenden. Tatsächlich geht es darum, Antworten zu finden auf die im Krankheitsbild deutlich werdende Aufgabe und ­Herausforderung des Schicksals. In anderen Sprachen zeigt sich das noch deutlicher: responsibilità, responsabilité, responsibility – es geht um die ­«ability to respond», die Fähigkeit, Antworten zu finden. Ich arbeite seit fast vier Jahrzehnten als Arzt und habe tausendfach erlebt, wie entscheidend es ist, dass die Menschen die Verantwortung für ihre Gesundheit nicht delegieren.

Auf die Frage, weshalb er ein derart starker Kritiker der Schulmedizin geworden ist, antwortet Dahlke folgendermassen:

Sie kann keine Krankheiten heilen. In der ersten Lebenshälfte gelingt es noch ganz gut, mit Medikamenten Symptome zu unterdrücken, in der zweiten Lebenshälfte bei chronischen Krankheiten ist das kaum mehr möglich. Und wenn doch, ist es kontraproduktiv. Natürlich kann man bei Rheuma mit sehr starken Medikamenten den Schmerz unterdrücken, aber das rächt sich ebenso sehr, wie wenn Sie im Auto die Warnlampe, die sie auf den fast leeren Benzintank aufmerksam macht, einfach überkleben.

Als Alternative schlägt er

Fasten, Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und ein Verständnis für die seelischen Ursachen der Krankheit

vor, also (mehrheitlich) Verhaltensänderungen. Denn – und jetzt folgt eine ziemlich klare Kritik am herkömmlichen System –

allzu oft sind Ärzte bloss noch Verwalter von Krankheiten und Medikamentenhändler. Die meisten Pillen helfen aber nicht den Patienten, sondern der Pharmaindustrie.

So, wie ich dieses Interview lese und verstehe, geht es Rüdiger Dahlke allerdings weniger um die Kritik am Status quo, sondern eher darum, unseren Umgang mit Gesundheit und Krankheit auszuweiten. Das lese ich u.A. auch an der folgenden Antwort ab:

Mir liegt daran, die wissenschaftlich-analytische Weltsicht durch eine spirituelle Dimension zu erweitern. Wenn wir die grundlegenden Lebensprinzipien nicht verstehen, die uns schon die antike Mythologie vor Augen führte, fehlt es uns an Orientierung.

Oder hierbei:

Mein wichtigstes Ziel ist es, ein Feld ansteckender­ ­Gesundheit aufzubauen. Zum Glück begreifen immer mehr Menschen, dass wir weder Gesundheit noch Glück kaufen können, auch wenn grosse Player davon leben, diese Illusion zu nähren.

Ein äusserst starkes Interview!