Das Rad der Übereinkunft

Schon lange Zeit war mir bewusst, dass ich bezüglich den Energien von Geben und Nehmen einen Knoten hatte, jedoch einfach nicht weiter kam, bis ich auf Betty Martin (vielfältige Therapeutin) und ihr Wheel of Consent oder eben Rad der Übereinkunft stiess.

DIENEN NEHMEN
. du handelst
. für sie
(Grosszügigkeit)
. du handelst
. für dich
(Integrität)
ZULASSEN ANNEHMEN
. sie handeln
. für sich
(Hingabe)
. sie handeln
. für dich
(Dankbarkeit)

Dieses half und hilft mir sehr, mich jeweils darauf zu konzentrieren, in welcher Energie – oder, um im Bild des Rades zu verbleiben -, in welchem Quadranten ich mich gerade befinde, ob ich nun also eher „gebe“ oder „nehme“ oder ob ich jenes gerade „für mich“ oder „für andere“ tue.  Jeder Energie hat nämlich ihre eigenen Qualitäten und Lernfelder. So besteht das Geschenk des Dienens beispielsweise im (eigenen) Tun, dasjenige des Nehmens im Zugang zum Gegenüber, das des Zulassens im Erhalt der Tat des Gegenübers, und beim Annehmen besteht das Geschenk darin, dass man selber Zugang zu sich gibt. Oder in leicht spirituell angehauchter Rede formuliert: Beim Dienen lerne ich das Geschenk der Grosszügigkeit, beim Annehmen jenes der Dankbarkeit. Und während ich nehme, lerne ich, integer zu sein, bzw. mich hinzugeben beim Zulassen.

Um das Rad der Übereinkunft besser kennenzulernen und die Energien von Geben und Nehmen besser einzuüben, gibt es das 3 Minuten-Game, hier in einem Video anschaulich vorgeführt (alle Links übrigens auf englisch). Anfänglich mögen eine diese vier Energien verwirren, mit der Zeit aber darf man/frau die Früchte dieser wertvollen Unterschiede (der Energien einerseits, andererseits aber auch zwischen der eigenen Person und des jeweiligen Gegenübers) ernten. Einfach ein wunderbares Werkzeug!

(Quelle: Betty Martin; The wheel of consent)

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Nichts haben und trotzdem etwas geben – wie geht das?

Diese Frage habe ich mir lange Zeit immer wieder mal selbst gestellt – und bin auf keine Antwort gestossen. Bis mir ein Mitarbeiter der Railbar (Anbieter von Snacks und Getränken in den Schweizer Zügen) die Augen öffnete:

Dieser Mann (schwarz) war die Frohnatur in Person. Glücklich, freundlich und aufgestellt – egal ob jemand etwas bei ihm kaufte oder nicht. Er machte mit allen seine Spässe und hatte seine helle Freude daran, aber immer liebevoll und gewinnend.

Da gingen mir plötzlich die Augen auf. Auch wenn wir nichts haben (in Falle des Schwarzen also: nichts einnehmen), können wir etwas geben. Und zwar äusserst viel: unsere Liebe, unsere Freude, unser Glück etc.

Danke, Schwarzer Mann, für diese wunderbare Erkenntnis.

Öffentlich trauern. Oder wie man auch (nicht) Abschied nehmen kann.

Vor kurzem musste/durfte ich wieder einmal eine öffentliche Abdankung mit mit-erleben. Mit der Betonung auf „erleben„.

Was ich da mit-gemacht habe, mit-gelitten anstatt mit-gefeirt, mit-getrauert etc. – das glaub‘ ich nicht.

Natürlich erlebe ich solche Anlässe nicht ganz objektiv und immer auch ein wenig mit der Brille der déformation professionelle, will heissen: meist stehe ich ja auf der andern Seite [siehe: www.abdankung.ch], also auf der aktiven und gestaltenden, darum beäuge ich meine Kolleginnen und Kollegen eben immer wieder mit etwas gar scharfzüngigen Argusaugen.

Aber – ich muss sagen – ich bin froh darüber.

Ich weiss nicht, was ein Mensch des 21. Jahrhunderts von einer Beerdigung erwartet. Ich weiss aber, was mir wichtig ist und was man/frau auch erwarten kann und darf:

  1. Ich möchte abgeholt werden.
  2. Ich möchte trauern können, in welcher Form auch immer das dann bei mir geschieht. [Es ist nicht jedermanns und -fraus Sache immer und überall zu Weinen. Man/frau kann auch einfach still sein. Den Kummer in sich hineinfressen. Oder erst danach, im stillen Kämmerlein den Tod des geliebten Menschen verarbeiten. Und und und …].
  3. Und, ganz wichtig, ich möchte nicht zugetextet werden.
  4. Und vor allem: nicht zu lange zuhören müssen.
  5. Und auch noch nicht dauend mit dem Wort GOTT erschlagen werden, auch wenn Inhalt und Form noch so stimmig sein mögen. Ich finde: ein paar Mal gut eingesetzt, vor allem wo es auch Sinn macht, ist weitaus besser, als IHN inflationär zu missbrauchen, so dass letztendlich niemand mehr zuhört.

Wie auch immer, die erwähnte Abdankung wurde zu einer ziemlichen Tortur. Am darauf folgenden Essen war ich jedenfalls zu nichts mehr zu gebrauchen, weshalb ich mich auch ziemlich schnell aus dem Staub machte.

Die Frage bleibt: WIE KANN ES ANDERS GEMACHT WERDEN? Was brauchen wir, wenn wir öffentlich von jemandem Geliebten Abschied nehmen? Wie geht das überhaupt?

Müssen es immer 1001 Worte sein? Und ein ellenlanges Händeschütteln beim Abschied-Nehmen? Ginge es auch anders?

Antworten habe ich – wie eigentlich immer – fast keine. Ich wünsche mir einfach eine andere Art von öffentlicher Trauer. Ich wünsche mir weniger Worte, mehr Inhalt, mehr Farben und Formen, mehr Gefühle und Emotionen und weniger betroffenes Schweigen und/oder gut gemeintes Mitleid, das aber niemandem so wirklich weiterhilft. Durch Schmerz, Trauer, Leid und Tod muss jedeR von uns selbst gehen. Da kommen wir nicht darum herum. Die Frage ist nur, wie.